DIE MILCHSTRASSE KNURRT UND DIE ERDE SCHÄUMT

Das unpop-Ensemble im absurden Kosmos.  

Regisseur Stephan Kasimir inszeniert mit dem Ensemble unpop „Das Knurren der Milchstraße“ – und das sehr unterhaltsam.

Von Lisa Kammann

In der Milchstraße rumort es bereits, doch auf der Erde treiben Menschen mit ihrer unbegrenzten Dummheit den Lauf der Dinge weiter voran. Ob das gut geht? Es ist ein Szenarium, das sich in einer „nahen und unwahrscheinlichen Zukunft“ abspielt, wie Autor Bonn Park selbst über sein Stück „Das Knurren der Milchstraße“ schreibt. Stephan Kasimir bringt mit dem Ensemble unpop das zeitgenössische Werk auf die Bühne im Kulturhaus Dornbirn – und dabei spielt sich einiges ab. Humor, Energie und ein sehr gutes Schauspiel sind dabei die essentiellen Zutaten.

Bonn Parks Stück soll nach eigenen Angaben Science-Fiction sein. Obwohl das Werk gänzlich von der Realität abgekoppelt ist, wirken die Akteure auf der Erde nicht ganz aus der Luft gegriffen. Einen ausgebauten Handlungsstrang gibt es nicht, die Figuren führen in direkter Rede das Publikum in dieses absurde Universum, das nicht unseren Gesetzen gehorcht.

Außerdem, wie Bonn Park selbst, gefangen im Körper einer 14-Jährigen im Sailor-Moon-Kostüm (Sandra Loser), auf der Bühne reflektiert: Es ist ja nur Theater.

Schaum. Im Blick von außen lässt sich so mancher Gegenstand präziser beschreiben, und so gibt ein Alien-Biologe (Anwar Kashlan) die treffende Analyse: So „krass dumm und scheiße“ seien die Menschen – aber eben auch so lieb und süß! Ähnlich ambivalent sind die Figuren: Die großen Herrscher Donald Trump und Kim Jong-un machen alles schlimmer, doch irgendwie möchten sie eigentlich Gutes vollbringen. Nur gelingt es nicht ganz.

Beinahe mitleiderregend ist der nordkoreanische Diktator (Simone Loser), versucht er doch verzweifelt, die beiden Koreas wiederzuvereinigen. Dabei hat er aber den Finger am roten Atom-Knopf, und Kim ist bereit ihn zu drücken. Genial mimt Ronald Kuste Donald Trump, der mittlerweile pleite ist. Aber das macht nichts: Mit Blut und Tränen kann er sein Kapital aufstocken. Auf einer Schiffsreise erlebt er Skurriles, beispielsweise hat er eine Affäre mit einem Filipino aus dem Maschinenraum. Schlussendlich versucht Trump, das gesamte Waffenarsenal auf der Erde zu zerstören. Wie bereits erwähnt, der gute Wille allein reicht nicht.

Überhaupt scheint Hoffnung für die Menschheit wenig angebracht. In einem undifferenzierten dunklen „Schaum“ mündet die Beschaffenheit der Erde. Vielleicht kann da die „fette Heidi Klum“ (Tatjana Velimirov) helfen. Sie ist ein grottenschlechter Stand-Up-Comedian geworden. In ihrer gewaltigen Gefräßigkeit verschlingt sie alles Fürchterliche auf der Welt, bis sie von ihrer Traurigkeit übermannt wird. Apropos traurig: Da ist noch Heidis Freundin, die manisch-depressive Kassandra, ebenfalls von Kashlan gespielt. In der Diskokugel liest sie die Zukunft. Kurz gesagt: Es wird ihr immer schlechter gehen.

Mit ostösterreichischem Dialekt gibt Maria Fliri Sebastian Kurz – ihm wäre es am liebsten, der Wahlkampf würde nie aufhören: Prognosen, Versprechungen, Hoffnung säen sind sein Metier. Er könnte die gesamte Milchstraße in die Haushalte „hineinversprechen“: Das kommt beim Publikum gut an.

Herzerwärmend. Gegen Ende des Stücks wird es emotional. Kashlan motiviert als Giraffe das Publikum, die Figuren treten – gemeinsam mit der herzerwärmenden Maria Studer als krebskrankes Kind – zusammen und stimmen „We Are The World“ an (Achtung: Ohrwurm).

Es ist womöglich nicht einfach, den laut Bonn Park „pervers dummen“ Text auf die Bühne zu bringen. Schauspieler und Regie müssen dabei die Dämlichkeit gekonnt transportieren, um nicht ein tatsächlich dämliches Theater zu erschaffen. Die richtige Aufgabe für das Ensemble – ein unterhaltsamer Abend mit einem aktuellen Stoff. Auch Caro Stark bereicherte wieder die Inszenierung mit einem kosmischen Bühnenbild und knalligen Kostümen.

 

Termine

Das Knurren der Milchstraße

Aufführungen am 10., 11., 12., 13. und 15. Mai, jeweils um 20 Uhr im Kulturhaus Dornbirn.

Karten: www.
laendleticket.at Infos: 
www.unpop.at