Ensemble "Unpop" ließ in Dornbirn das Universum böse knurren

 

 

Mit der Beschimpfung der Menschheit startet der Abend, mit dem Lied "We Are the World" endet er: Bei der Premiere von "Das Knurren der Milchstraße" am Dienstag im Kulturhaus Dornbirn konnte gelacht werden, aber das Lachen blieb einem auch manchmal im Halse stecken. Das "Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung" überzeugte in einer schrillen und unterhaltsamen Inszenierung von Stephan Kasimir.

“Ihr seid alle scheiße”, so beschimpft ein grüngesichtiger Außerirdischer

“Ihr seid alle scheiße”, so beschimpft ein grüngesichtiger Außerirdischer mit großen Ohren zu Beginn der 75 Minuten dauernden Odyssee durchs Weltall die Zuschauer bzw. die Menschheit. Und was einem im Laufe des Abends danach so geboten wird, lässt einen zu guter Letzt nur zustimmend nicken. Anwar Kashlan gibt das grüne Wesen, wechselt später in die Rolle der depressiven Kassandra und wird am Ende noch zur singenden Giraffe.

Neben Kashlan weiß das ganze Ensemble zu gefallen. Da gibt Ronny Kuste US­Präsident Donald Trump, der aus dem Weißen Haus und seinem Amt abhaut und sich mit Geld kaufen möchte, was ihm gerade passt. Das Geld geht ihm niemals aus, solange er Tränen und Blut vergießt. Nebenbei erwähnt er noch seine Zeit auf einem Frachtschiff und seine Affäre mit einem Filipino. “Wir übertrumpften uns mit den Beschissenheiten unserer Existenz, doch er gewann klar”, ließ er wissen. Maria Fliri ist als Sebastian Kurz nervig und selbstverliebt.

Heidi Klum und Kim Jong­un

Tatjana Velimirov schlüpft in die Rolle der fetten Heidi Klum, die alles zusammen frisst, was nervt – egal, ob Menschen oder ganze Staaten. Autor Bonn Park hat sich selbst ins Stück geschrieben, und Sandra Loser übernimmt seinen wütenden Monolog. Simone Loser ist als nordkoreanischer Machthaber Kim Jong­un ein wirklich bemitleidenswerter Verrückter, der einem aber dennoch Angst machen kann. Klar, er möchte die beiden Koreas wiedervereinigen – aber halt notfalls auch mittels Atombombe.

Und wenn dieser mit Trupp am Ende gemeinsam “We Are the World” singt, ist das im ersten Moment zwar zum Lachen, auf den zweiten Blick bekommt man aber doch eine Gänsehaut. “Make it a better place for you and for me”, heißt es in dem Song, und jede der Figuren trägt etwas zum Zustand unserer Welt bei – nicht immer zu ihrem besten.

Verwandlungen gut geglückt

Verwandlungen gut geglückt

Ausstatterin Caro Stark hat mit den Darstellern einiges zu tun – die Verwandlungen sind aber mehr als geglückt. Das Bühnenbild wird bestimmt durch große schwarze hängende Ballons, die sich am Ende nach unten bewegen und die Schlussszene quasi schlucken. Das Universum richtet sich gegen den Wahnsinn der Erde. “Diese Menschen hier sind katastrophal, mitunter gar mies und gemein, aber nun versuchen sie Dinge zu tun, tolle Dinge aus reiner Naivität, angenehm blöd, um die Welt anzuschieben [...] Ein abartig epochaler und pervers dummer Text ohne Altersbeschränkung”, so beschreibt der Autor selbst sein Werk. Der in Berlin geborene Bonn Park (Jahrgang 1987) gewann mit “Das Knurren der Milchstraße” im vergangenen Jahr den Stückemarkt des Berliner Theatertreffens.

Mit der Inszenierung in Dornbirn bewies das “Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung” (kurz: Ensemble “Unpop”) ein sehr gutes Händchen, die positiven Reaktionen des Publikums waren eine eindrückliche Bestätigung. Bonn Parks Stück ist die vierte Produktion der 2016 gegründeten Truppe um Caroline Stark und Stephan Kasimir – es folgen hoffentlich noch weitere.