Wie sich die Menschheit lächelnd in den Untergang singt – UNPOP spielt „Das Knurren der Milchstraße“ von Bonn Park

Wenn die Milchstraße knurrt, ist einiges aus den Fugen, dann kracht es im Gebälk, dann ist der Weltuntergang nah. Und genau das durften die Zuschauer letzten Dienstag auf der Hinterbühne des Dornbirner Kulturhauses erleben. Einen Blick in die Zukunft werfen, in eine Zukunft, die alles andere als rosig erscheint. Das junge „Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung“ kurz „UNPOP“ feierte Premiere mit Bonn Parks preisgekröntem Stück „Das Knurren der Milchstraße“.

Gemeinsam mit tollen Schauspielerinnen und Schauspielern hat Stephan Kasimir die Herausforderung angenommen ein Stück, das eigentlich eine Sammlung von Monologen ist, zu inszenieren. Sie haben herrliche, ja köstliche Figuren herausgearbeitet, die, da es sich bei den meisten um bekannte Persönlichkeiten handelt, eine fette Vorlage bieten, wie z.B. der Nordkoreanische Diktator Kim Jong Un, Amerikas Präsident Donald Trump oder unser Bundeskanzler Sebastian Kurz. Auch wenn der Autor seinen eigenen Text als dumm bezeichnet, sind seine Ideen äußerst kreativ und was er so alles den Figuren in den Mund legt, überraschend, witzig und manchmal einfach auch nur blöd.

Lachend und singend dem Untergang entgegen

Ausstatterin Caro Stark hat den Figuren die passenden Kostüme verpasst und das ganze Spektakel in einen fiktiv reduzierten Weltraum mit schwarzen Planeten gesetzt. Musiker Chris Comper arrangierte dazu bekannte Songs und man glaubt nicht richtig zu hören, wenn zum Schluß das Ensemble gemeinsam „We are the world“ singt und zwar solange, bis die knurrende Milchstraße sie verschlingt. Wie wahr - lächelnd und singend gehen die Menschen ihrem Untergang entgegen!

Tolles Ensemble

Simone Loser versteht es der Figur des fassungslosen Kim Jong Un eine gehörige Portion Leben einzuhauchen. Anwar Kashlan fesselt mit seinen energiegeladenen Darstellungen des mahnenden Aliens, der manisch depressiven Kassandra, und der gelassenen Giraffe. Erfrischend Sandra Loser als wütender Dramatiker Bonn Park im Körper eines Mädchens aus der Zukunft. Maria Fliri einfach umwerfend als wahlkämpfender Sebastian Kurz. Und auch Heidi Klum erscheint in diesem Gruselkabinett, vollgefressen mit der halben Menschheit, gut gespielt von Tatijana Velimirov. Die Schülerin Maria Studer überzeugt neben ihren professionellen Schauspielerkolleginnen in der Rolle eines krebskranken Kindes. Last but not least erfreut und amüsiert Ronald Kuste als ernüchterter Donald Trump.

Spannend und unterhaltsam

Bonn Park und das Ensemble UNPOP entspinnen mit diesem Theaterabend keine reale Geschichte, sie entführen das Publikum in eine abstruse Fantasiewelt mit spannenden Bezugspunkten zur Realität, wenn man es denn sehen und zulassen möchte. Man hat aber auch die Option, sich ganz einfach nur bestens unterhalten zu lassen. Das Publikum applaudierte enthusiastisch!